Das Canon EF 135mm 2.0 L USM ist zweifelsohne eine sehr spezielle Linse und wird von vielen Fotografen in hohen Tönen gelobt. Ich nutze diese Linse mittlerweile selbst seit einem Vierteljahr und möchte Euch meine Erfahrungen und eine kleine Einschätzung mitgeben.

Oft ist bei diesem Objektiv die Rede vom „Lord of the Red Rings“ – dem schärfsten, was man sich an eine Canon DSLR montieren kann. Mitunter haben mich viele Testberichte auf diese Linse aufmerksam gemacht und so habe ich sie mir Ende 2014 zugelegt. Den guten Ruf, der diesem Objektiv vorauseilt, kann ich auf ganzer Linie bestätigen. Mit der Zeit ist es eine meiner Lieblingslinsen geworden, die ich in vielen Situationen nicht mehr missen möchte.

135L

Das, was dieses Sahnestück von Glas so besonders macht, ist zweifelsohne die Schärfeleistung – schon bei Offenblende von f/2.0 ist diese phänomenal und wunderbar nutzbar! Auf f/2.8 abgeblendet wird es dann rasiermesserscharf! Viele andere Linsen bringen selbst um eine Stufe abgeblendet noch keine vergleichbare Leistung. Natürlich gibt es auch Objektive, die in der Schärfeleistung bei Offenblende mithalten können, doch wird dafür dann ein Vielfaches vom Preis des 135L abgerufen, so beispielsweise beim Zeiss Otus 1,4/85mm, welches ich jedoch selbst noch nicht testen konnte.

Flexibilität im Vergleich zum Canon 70-200 2.8L

Trotz der hervorragenden optischen Leistung scheuen sich einige Fotografen vor Festbrennern aufgrund von Flexibilitätseinbußen. Insbesondere in der Hochzeits- und Eventfotografie dominiert das Canon 70-200 2.8L – ein „Must Have“ nach Meinung vieler Fotografen. So habe ich mir für meine erste Hochzeit diesen „Weißen Riesen“ geliehen und fühlte mich auf der sicheren Seite. Das 70-200 2.8L ist eine super Linse mit schnellem AF und ebenfalls sehr scharf, doch mit dem Umstieg auf das 135L hat sich für mich einiges geändert.

Das 135L ist eine ganze Blende lichtstärker – das macht einen riesen Unterschied! Insbesondere in Kirchen oder auf Veranstaltungen mit schlechten Lichtverhältnissen macht sich diese Blende mehr Licht sofort bemerkbar – man kann den ISO-Wert (im Vergleich zu f/2.8) halbieren. Außerdem ist die Freistellung doppelt so groß!

Das 135L wiegt nur die Hälfte – 750g gegenüber 1490g beim 70-200 2.8L machen extrem viel aus, wenn man das Objektiv an einer Vollformatkamera den ganzen Tag trägt. Nach der Hochzeit mit dem 70-200 sind mir beinahe die Arme abgefallen, das 135L fällt hingegen nicht stark „ins Gewicht“ und ist dazu an meiner Canon EOS 6D mit Batteriegriff besser ausbalanciert.

Das 135L kostet nur die Hälfte – 900€ gegenüber 1800€, die für das 70-200 fällig werden, sind ein kräftiges Argument. Insbesondere bei Fotografen, die die Fotografie nur nebenberuflich oder hobbymäßig betreiben, ist der finanzielle Aspekt nicht außer Acht zu lassen.

135L bei OffenblendeZudem habe ich festgestellt, das ich das Mehr an Flexibilität, was mir bei dem 70-200 zur Verfügung steht, gar nicht benötige. Bei der Auswertung der EXIF-Daten meiner Bilder habe ich bemerkt, dass die meisten Aufnahmen in einem Brennweitenbereich um 130mm entstanden sind. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist natürlich die Bequemlichkeit: Mit einem Zoom bewegt man sich weniger und versucht, den gewünschten Bildausschnitt durch einen Dreh am Brennweitenring zu bekommen. Viele interessante Perspektiven gehen einem hierdurch verloren und die Bilder verlieren an Spannung und Kreativität. Zu guter Letzt haben mich neben der Schärfe die besseren Farben und das cremige Bokeh dieser Linse überzeugt. In der Farbwiedergabe sind Festbrennweiten meiner Meinung nach immer noch ungeschlagen und das sehr weiche und natürliche Bokeh gibt seinen Teil dazu. So viel meine Wahl auf das Canon 135L, mit dem ich wahrscheinlich noch lange meine Freude haben werde!